Welches Schalldämm-Maß DIN 4109-1 von Ihrer Wand verlangt
DIN 4109-1 in der Ausgabe Juli 2016 nennt die bauaufsichtlichen Mindestanforderungen an den Schallschutz im Hochbau. Sie schützt vor Geräuschen aus fremden Räumen, nicht vor Geräuschen aus dem eigenen Wohnbereich. Das ist der erste Punkt, den viele Bauherren missverstehen: Für die Trennwand zwischen Ihrem Wohnzimmer und Ihrem Schlafzimmer gibt es keine bauordnungsrechtliche Anforderung. Für die Wand zur Nachbarwohnung gibt es sie sehr wohl.
Die zentrale Größe heißt bewertetes Schalldämm-Maß und trägt das Zeichen R'w, gemessen in Dezibel. Der Strich am R bedeutet, dass der Wert am fertigen Bau gemessen wird, einschließlich des Schalls, der über Decke, Boden und angrenzende Wände läuft. Ohne Strich, also Rw, steht der Laborwert des Bauteils allein. Diese Unterscheidung entscheidet in der Praxis über bestandene und gerissene Abnahmen.
| Bauteil | Luftschall erf. R'w | Trittschall zul. L'n,w |
|---|---|---|
| Wohnungstrennwände und Wände zwischen fremden Arbeitsräumen | mindestens 53 Dezibel | keine Anforderung |
| Treppenraumwände und Wände neben Hausfluren | mindestens 53 Dezibel | keine Anforderung |
| Wände von Spiel- oder ähnlichen Gemeinschaftsräumen | mindestens 55 Dezibel | keine Anforderung |
| Wohnungstrenndecken einschließlich Treppen | mindestens 54 Dezibel | höchstens 50 Dezibel |
| Trenndecken zwischen fremden Arbeitsräumen | mindestens 54 Dezibel | höchstens 53 Dezibel |
| Decken unter allgemein nutzbaren Dachräumen | mindestens 53 Dezibel | höchstens 52 Dezibel |
| Treppenläufe und Podeste | keine Anforderung | höchstens 53 Dezibel |
Was eine Trockenbauwand wirklich erreicht: 42 Dezibel einlagig, 51 Dezibel doppelt
DIN 4109-33 ist der Bauteilkatalog für den Holz-, Leicht- und Trockenbau. Dort stehen geprüfte Werte für Wandaufbauten, und die Unterschiede sind größer, als die meisten erwarten. Entscheidend sind drei Größen: die Profilbreite, die Zahl der Plattenlagen und die Dicke der Hohlraumdämmung.
| Profil | Schalenabstand | Beplankung je Seite | Dämmschichtdicke | Rw |
|---|---|---|---|---|
| CW 50 | 50 Millimeter | 2 mal 12,5 Millimeter | 40 Millimeter | 48 Dezibel |
| CW 75 | 75 Millimeter | 1 mal 12,5 Millimeter | 60 Millimeter | 42 Dezibel |
| CW 75 | 75 Millimeter | 2 mal 12,5 Millimeter | 60 Millimeter | 51 Dezibel |
| CW 100 | 100 Millimeter | 2 mal 12,5 Millimeter | 40 Millimeter | 49 Dezibel |
Die zweite Plattenlage bringt bei sonst gleichem Aufbau 9 Dezibel. Das ist der größte Einzelgewinn, den Sie mit vergleichsweise wenig Geld kaufen können, denn es kostet eine weitere Lage Platten und Schrauben, aber keine zusätzliche Wandstärke. Zum Vergleich: 10 Dezibel Unterschied empfinden Menschen ungefähr als Halbierung der Lautstärke.
- Mindestanforderung an Wohnungstrennwände, DIN 4109-1 Tabelle 2 Zeile 13
- R'w mindestens 53 Dezibel
- Bundesverband der Gipsindustrie, Schallschutz mit Systemen des Aus- und Leichtbaus, Stand 1. August 2020
- Doppelt beplankte CW-75-Wand mit 60 Millimeter Dämmung, DIN 4109-33
- Rw 51 Dezibel gegenüber 42 Dezibel einlagig
- Bundesverband der Gipsindustrie, Schallschutz mit Systemen des Aus- und Leichtbaus, Stand 1. August 2020
- Mindestwert des längenspezifischen Strömungswiderstands für Hohlraumdämmung
- über 5 Kilopascal mal Sekunde je Quadratmeter, Kennzeichnung AF5
- Bundesverband der Gipsindustrie, nach DIN EN 13162, Stand 1. August 2020
Die Dämmung im Hohlraum ist kein Füllmaterial, sondern ein akustisches Bauteil. Maßgeblich ist der längenspezifische Strömungswiderstand, also der Widerstand des Materials gegen durchströmende Luft. Der Mindestwert für Hohlraumdämmung liegt bei über 5 Kilopascal mal Sekunde je Quadratmeter. Geeignete Mineralwolle trägt nach DIN EN 13162 die Kennzeichnung AF5. Hartschaumplatten erfüllen das nicht, sie dämmen Wärme und nicht Schall.
Warum das Masse-Feder-Masse-Prinzip über den Schallschutz entscheidet
Eine Massivwand dämmt Schall über ihr Gewicht: je schwerer, desto besser. Eine Trockenbauwand wiegt einen Bruchteil davon und erreicht trotzdem vergleichbare Werte. Der Grund ist ein anderes physikalisches Prinzip. Die Schallenergie wird in drei Schritten abgebaut: durch das Anregen der ersten Masse, durch das Durchqueren der Federebene und durch das Anregen der zweiten Masse. Die beiden Beplankungen sind die Massen, der gedämmte Hohlraum ist die Feder.
- Die Massen sollen möglichst groß und gleichzeitig akustisch biegeweich sein. Deshalb wirken zwei dünne Plattenlagen besser als eine dicke Platte.
- Die Steifigkeit der Ständer soll gering oder von der Beplankung entkoppelt sein, etwa durch Federschienen oder getrennte Ständerreihen.
- Der Hohlraum braucht einen offenporigen Dämmstoff, keinen geschlossenzelligen Hartschaum.
- Der Abstand zwischen den Massen soll möglichst groß sein, weshalb eine CW-100-Wand mehr leistet als eine CW-50-Wand mit gleicher Beplankung.
- Jede starre Verbindung zwischen beiden Schalen ist eine Schallbrücke und macht den Gewinn zunichte.
- Steckdosen dürfen nicht Rücken an Rücken in derselben Gefachreihe sitzen, weil sie den Hohlraum akustisch kurzschließen.
Der Gipsverband fasst das so zusammen: Bei Trockenbauwänden bestimmen die Art und Dicke der Beplankung, aber auch der verwendete Dämmstoff und die Art der Unterkonstruktion die Schalldämmung. Und er weist auf den Punkt hin, den Prospektwerte verschweigen: Verantwortungsvolle Schallschutzplanung muss vor allem das Schalldämm-Maß der flankierenden Bauteile berücksichtigen. Die beste Wand nützt wenig, wenn der Estrich durchläuft.
Daraus folgt eine Faustregel, die im Angebot sichtbar wird: Eine dickere Gipsplatte ist nicht automatisch besser. Der Gipsverband weist ausdrücklich darauf hin, dass dickere Platten wegen des Einbruchs der Schalldämmung im Bereich der Grenzfrequenz nicht zwingend positiv wirken. Zwei Lagen à 12,5 Millimeter schlagen eine Lage mit 25 Millimetern.
Anschluss an die Rohdecke
Fehlt das Anschlussdichtband unter dem UW-Profil, überträgt die Wand Körperschall direkt in die Decke. Das Dichtband ist Pflichtbestandteil, nicht Zubehör.
Flankierende Bauteile
Schall läuft über Estrich, Decke und angrenzende Wände um die Trennwand herum. Deshalb liegt der Bauwert R'w regelmäßig unter dem Laborwert Rw der Wand.
Durchdringungen
Steckdosen, Leerrohre und Lüftungsleitungen schwächen die Schale. Versetzt angeordnete Dosen und schalltechnisch geprüfte Dosenkästen halten den Verlust klein.
Installationen im Hohlraum
Ein Abflussrohr im Wandhohlraum überträgt Körperschall. Es gehört entkoppelt befestigt, und die Wand vor Sanitärinstallationen wird als eigene Vorwand ausgeführt.
Türen und Öffnungen
Eine Wand mit 53 Dezibel und einer Standardtür mit 27 Dezibel erreicht als Ganzes deutlich weniger. Für Wände mit Türen gilt die Anforderung als Kombinationswert.
Wie Sie mehr Schallschutz vereinbaren als die Norm verlangt
Wer Ruhe will, muss sie bestellen. Die Mindestanforderungen der DIN 4109-1 sind bauaufsichtlich geschuldet, mehr nicht. Für höhere Ansprüche gibt es zwei etablierte Werkzeuge, und beide funktionieren nur, wenn sie im Vertrag stehen.
Die VDI 4100 in der Ausgabe Oktober 2012 definiert drei Schallschutzstufen. In Mehrfamilienhäusern empfiehlt sie für den Luftschallschutz eine bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w von mindestens 56 Dezibel in Stufe I, 59 Dezibel in Stufe II und 64 Dezibel in Stufe III. Beim Trittschall gelten höchstens 51, 44 und 37 Dezibel. Für Doppel- und Reihenhäuser liegen die Werte deutlich höher, nämlich bei mindestens 65, 69 und 73 Dezibel. Die Richtlinie ist baurechtlich nicht eingeführt, wird aber nach Angaben von Knauf in Gerichtsverfahren regelmäßig zur Bestimmung des geschuldeten Schallschutzes herangezogen.
Die Deutsche Gesellschaft für Akustik geht in ihrer Empfehlung 103 einen anderen Weg und übersetzt Dezibelwerte in Höreindrücke. Das hilft bei der Entscheidung mehr als jede Zahl, weil Sie damit beschreiben können, was Sie hören wollen und was nicht.
| Klasse | R'w | Normale Sprache aus dem Nachbarraum |
|---|---|---|
| F | unter 50 Dezibel | einwandfrei zu verstehen, deutlich hörbar |
| E | ab 50 Dezibel | teilweise zu verstehen, im Allgemeinen hörbar |
| D | ab 53 Dezibel | im Allgemeinen nicht verstehbar, teilweise hörbar |
| C | ab 57 Dezibel | nicht verstehbar, noch hörbar |
| B | ab 62 Dezibel | nicht verstehbar, nicht hörbar |
| A | ab 67 Dezibel | nicht verstehbar, nicht hörbar |
Lesen Sie die Tabelle zusammen mit der Mindestanforderung: 53 Dezibel, also die gesetzliche Untergrenze für Wohnungstrennwände, entspricht der Klasse D. Normale Sprache ist dann im Allgemeinen nicht zu verstehen, aber teilweise noch zu hören. Wer Sprache gar nicht mehr hören will, braucht Klasse B mit 62 Dezibel, und das ist ein anderer Wandaufbau mit getrennten Ständerreihen.
Wie Sie eine Wand planen, die den geforderten Wert wirklich hält
Zwischen dem Laborwert im Prospekt und dem gemessenen Wert in Ihrer Wohnung liegen die Details der Ausführung. Diese Reihenfolge hält den Unterschied klein.
- Legen Sie fest, gegen welche Geräusche die Wand schützen soll, und schreiben Sie den Zielwert als R'w in Dezibel in den Vertrag, nicht als Wunsch nach Ruhe.
- Prüfen Sie, ob die Anforderung aus DIN 4109-1 stammt, weil ein fremder Raum angrenzt, oder ob Sie privatrechtlich einen höheren Wert nach VDI 4100 oder DEGA 103 vereinbaren wollen.
- Wählen Sie den Aufbau nach dem Bauteilkatalog DIN 4109-33 oder ein herstellerspezifisches System mit Prüfzeugnis, statt Platten und Profile frei zu kombinieren.
- Planen Sie doppelte Beplankung ein, bevor Sie die Profilbreite erhöhen: Die zweite Lage bringt bei CW 75 rund 9 Dezibel ohne zusätzliche Wandstärke.
- Schreiben Sie Mineralwolle mit der Kennzeichnung AF5 aus, damit der Strömungswiderstand über 5 Kilopascal mal Sekunde je Quadratmeter liegt.
- Lassen Sie alle Anschlüsse an Rohdecke, Boden und flankierende Wände mit Dichtband ausführen und die Fugen dauerhaft elastisch schließen.
- Ordnen Sie Steckdosen und Leitungen versetzt an und lassen Sie Sanitärleitungen in einer eigenen Vorwand entkoppelt befestigen.
Verlangen Sie bei erhöhten Anforderungen eine Messung nach Fertigstellung. Eine bauakustische Messung nach DIN 4109-4 kostet einen niedrigen vierstelligen Betrag und ist die einzige Möglichkeit, den vereinbarten Wert zu belegen. Ohne Messung streiten Sie später über Prospektangaben.
Häufige Fragen
Wie viel Dezibel erreicht eine Trockenbauwand?
Eine einfach beplankte Metallständerwand mit CW-75-Profil und 60 Millimeter Dämmung erreicht nach DIN 4109-33 ein bewertetes Schalldämm-Maß von 42 Dezibel. Dieselbe Wand mit zwei Plattenlagen je Seite kommt auf 51 Dezibel. Eine CW-50-Wand mit doppelter Beplankung liegt bei 48 Dezibel, eine CW-100-Wand bei 49 Dezibel. Das sind Laborwerte ohne Flankenübertragung.
Welchen Schallschutz verlangt DIN 4109 für Wohnungstrennwände?
DIN 4109-1 verlangt für Wohnungstrennwände und Wände zwischen fremden Arbeitsräumen ein bewertetes Schalldämm-Maß von mindestens 53 Dezibel am fertigen Bau. Für Treppenraumwände gilt derselbe Wert, für Wände von Gemeinschaftsräumen mindestens 55 Dezibel. Wohnungstrenndecken müssen mindestens 54 Dezibel erreichen und dürfen höchstens 50 Dezibel Trittschallpegel durchlassen.
Reicht eine einfach beplankte Wand als Wohnungstrennwand?
Nein. Eine einfach beplankte CW-75-Wand erreicht im Labor 42 Dezibel und liegt damit 11 Dezibel unter der Mindestanforderung von 53 Dezibel für Wohnungstrennwände. Auch die doppelt beplankte Wand mit 51 Dezibel Laborwert genügt nicht sicher, weil am Bau die Flankenübertragung hinzukommt. Wohnungstrennwände werden deshalb als zweischalige Konstruktion mit getrennten Ständerreihen ausgeführt.
Welche Dämmung gehört in eine Trockenbauwand für guten Schallschutz?
Ein offenporiger Dämmstoff mit einem längenspezifischen Strömungswiderstand über 5 Kilopascal mal Sekunde je Quadratmeter. Geeignete Mineralwolle trägt nach DIN EN 13162 die Kennzeichnung AF5. Geschlossenzellige Hartschaumplatten erfüllen diese Anforderung nicht; sie dämmen Wärme, aber nicht Schall. Die Dämmung muss den Hohlraum satt ausfüllen, ohne gestaucht zu werden.
Was bedeuten die Schallschutzstufen der VDI 4100?
Die VDI 4100 aus dem Oktober 2012 definiert drei Stufen für erhöhten Schallschutz. In Mehrfamilienhäusern empfiehlt sie beim Luftschall eine Standard-Schallpegeldifferenz von mindestens 56 Dezibel in Stufe I, 59 Dezibel in Stufe II und 64 Dezibel in Stufe III. Die Richtlinie ist baurechtlich nicht eingeführt und gilt nur, wenn sie im Bauvertrag ausdrücklich vereinbart wurde.
Kann ich mehr Schallschutz verlangen, als die DIN 4109 vorschreibt?
Ja. Der Bundesgerichtshof hat am 14. Juni 2007 unter dem Aktenzeichen VII ZR 45/06 entschieden, dass höhere Schallschutzwerte geschuldet sind, wenn sie sich aus der vereinbarten Bauweise bei einwandfreier Ausführung ergeben. Unabhängig davon können Sie einen Zielwert nach VDI 4100 oder eine Schallschutzklasse nach DEGA-Empfehlung 103 im Vertrag festschreiben.